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Update für die Arztpraxis: TI-Anwendungen im Überblick

Taisija Taksijan, LL. M. Fachanwältin für Medizinrecht der Kanzlei legal-point

Taisija Taksijan, LL. M.
Fachanwältin für Medizinrecht der Kanzlei legal-point

Die Regelungen aus den Gesetzen der letzten Jahre zur Digitalisierung und Innovation des Gesundheitswesens kommen langsam in der Praxiswirklichkeit an. Nach der verpflichtenden Anbindung der Praxen an die Telematikinfrastruktur (TI) werden die digitalen Anwendungen der TI schrittweise eingeführt. Während die Innovation bei der vom Gesetzgeber angestrebten Digitalisierung oft noch auf der Strecke bleibt, gelten die Verpflichtungen für die Praxen zum Teil jetzt schon verbindlich.

Es folgt ein Überblick rund um ePA, eAU, eRezept, eArztbrief etc. mit Hinweisen zu den geltenden Fristen sowie Abrechnungsbesonderheiten.

ePA

Die gesetzlichen Krankenkassen müssen ihren Versicherten seit dem 01.01.2021 die Nutzung einer elektronischen Patientenakte (ePA) ermöglichen. In der ePA können Diagnosen und Daten zur Behandlung gespeichert werden, die auf Wunsch des Patienten von den Leistungserbringern eingesehen werden können.

Seit dem 01.07.2021 müssen die erforderlichen Systeme für den Zugriff ‒ zum Auslesen und Befüllen der ePA ‒ in den Praxen vorgehalten werden, sonst droht eine pauschale Kürzung von einem Prozent des Honorars.

Da die Komponenten für die technische Umsetzung noch nicht vollständig verfügbar sind, genügt eine verbindliche Bestellung vor dem 01.07.2021. Praxen benötigen

  • das ePA-Modul/ePA-Update für das Praxisverwaltungssystem (PVS),
  • den elektronischen Heilberufsausweis der zweiten Generation (eHBA G2),
  • ggf. neue Kartenlesegeräte für die Nutzung der eHBA sowie
  • ein Software-Update für den ePA-Konnektor.

 

Auf Wunsch des Patienten sollen ab 2022 auch Daten in der ePA gespeichert werden können, die bisher in Papierausweisen dokumentiert wurden ‒ etwa der Impf- oder Mutterpass.

MERKE
Das erstmalige Befüllen der ePA wird im Jahr 2021 einmalig mit zehn Euro vergütet.

Die Abrechnung erfolgt rückwirkend ab dem 01.01.2021 mit der Pseudo-Nr. 88270. Im Zusammenhang mit der ePA wurden zwei neue Ziffern rückwirkend zum 01.01.2021 im EBM aufgenommen:

  • Die EBM-Nr. 01647 (1,67 Euro) kann für die Erfassung, Verarbeitung oder Speicherung der Daten in der ePA als Zuschlag zu den Versicherten-, Grund- und Konsiliarpauschalen angesetzt werden, wenn nicht im selben Behandlungsfall die Pauschale für die Erstbefüllung abgerechnet wurde.
  • EBM-Nr. 01431 EBM (0,33 Euro) kann als Zusatzpauschale zu den Nrn. 01430 (Verwaltungskomplex), 01435 (Bereitschaftspauschale) oder 01820 (Rezepte, Überweisungen, Befundermittlung im Rahmen der Empfängnisregelung) abgerechnet werden, wenn im Arztfall keine Versicherten-, Grund- bzw. Konsiliarpauschale abgerechnet wurde.

eAU und KIM-Dienst

Ab dem 01.10.2021 ist die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) als digitale Version der herkömmlichen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung für alle Praxen verpflichtend. Die Praxen müssen die eAU direkt aus dem PVS digital an die zuständigen Krankenkassen übermitteln. Die Übermittlung erfolgt mithilfe eines Dienstes zur Kommunikation im Medizinwesen (KIM-Dienst).

PRAXISTIPP
Spätestens mit der Einführung der eAU benötigen die Praxen einen KIM-Dienst. Denken Sie daran, Ihre KIM-Adressen zu bestellen, wenn Sie es noch nicht gemacht haben.

Da noch nicht alle Arztpraxen technisch in der Lage sind, die eAU auszustellen, kann übergangsweise bis zum 31.12.2021 das alte Verfahren genutzt werden.

PRAXISTIPP
Reizen Sie die Frist nicht aus und beauftragen Sie Ihren IT-Anbieter, die notwendigen Komponenten zeitnah zu implementieren. Bis zur technischen Umstellung kann das gewohnte Muster 1 genutzt werden.

Geplant ist die Umsetzung in zwei Stufen: Zunächst übermitteln die Ärzte die eAU an die Krankenkassen und händigen den Patienten einen Papierausdruck für den Arbeitgeber und eigene Unterlagen aus. Ab Juli 2022 sollen die Krankenkassen die eAU an die Arbeitgeber übermitteln.

Für die ‒ ab dem 01.10.21 eigentlich elektronisch zu versendende ‒ Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung gelten ab dem 01.10.2021 neue Versandpauschalen zur Abbildung der Fälle, in denen ein elektronischer Versand nicht möglich ist:

  • Die EBM-Nr. 40130 (0,81 Euro) kann bei technischen Störungen für die postalische Versendung der Bildschirmfotos (Stylesheets) an die Krankenkasse berechnet werden, wenn die elektronische Datenübermittlung nicht am nächsten Tag nachgeholt werden kann.
  • Die EBM-Nr. 40131 (0,81 Euro) kann bei Hausbesuchen für die postalische Versendung des Stylesheets an den Patienten berechnet werden.

eRezept

Auch die „rosa Zettel“ werden digital. Alle Rezepte für verschreibungspflichtige Arzneimittel sind ab Januar 2022 elektronisch per App auszustellen. Patienten sollen mit der App oder wahlweise mit einem Ausdruck aus der App das eRezept in der Apotheke ihrer Wahl einlösen.

PRAXISTIPP
Da allerdings die notwendige Technik voraussichtlich nicht rechtzeitig flächendeckend verfügbar sein wird, bleibt das Papierrezept (Muster16) erhalten. Bei technischen Störungen oder Hausbesuchen kann darauf als Ersatzverfahren zurückgegriffen werden.

Zurzeit läuft noch die Testphase in ausgewählten Praxen in Berlin-Brandenburg. Ab Oktober 2021 sollen eRezepte freiwillig ausgestellt werden können. Dafür muss auch die Apotheke die eRezepte verarbeiten können.

eArztbrief

Die Praxen sind nicht verpflichtet, Arztbriefe auf elektronischem Weg zu übermitteln. Seit April 2021 werden elektronische Arztbriefe (eArztbriefe) aber nur vergütet, wenn diese über KIM versendet werden. Die KIM löst sukzessive den heutigen Kommunikationsdienst KV-Connect ab.

NFDM

Das Notfalldatenmanagement (NFDM) gehört zu den ersten Anwendungen der elektronischen Gesundheitskarte (eGK). Es geht um den Abruf notfallrelevanter Informationen in einem medizinischen Notfall direkt von der eGK.

PRAXISTIPP
Für die Anlage der Notfalldatensatzes in der eGK wird die Vergütung noch bis zum 19.10.2021 (!) verdoppelt. Die EBM-Nr. 01640 EBM ist auf 17,80 Euro (statt 8,90 Euro) erhöht.

Die EBM-Nr 01641 (0,44 Euro) wird von der KV automatisch als Zuschlag zur Versicherten-, Grund- und Konsiliarpauschale für die Überprüfung und Aktualisierung des Notfalldatensatzes hinzugefügt, sofern die technischen Voraussetzungen vorliegen.

Ausblick

In der Praxis bündelt die Umsetzung der neuen TI-Anwendungen viel Kapazität und ist mit hohen Kosten verbunden (die Kosten für die Technik werden zum Teil erstattet – automatisch oder auf Antrag, informieren Sie sich dazu bei Ihrer KV). Evtl. entstehende Frustration ist daher nachvollziehbar.
Bleiben Sie trotzdem am Ball und zählen Sie auf verlässliche Partner, die Sie unterstützen können. Ein gutes und an die jeweilige Patientenklientel angepasstes Digitalisierungskonzept lässt sich als ein effektives Marketinginstrument in der Praxis einsetzen.

QUELLE: AUSGABE 10 / 2021 | SEITE 6 | ID 47637188

Zuerst veröffentlicht in „AAA Abrechnung aktuell, Ausgabe 10/2021″