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Fachkräftemangel: Neues Gesetz soll Linderung schaffen

Stefanie Hewicker ist in der Frank Wagner Holding für die Beschäftigung ausländischer Mitarbeiter verantwortlich. Das Familienunternehmen betreibt an neun Standorten in Hamburg Seniorenpflegedomizile, in denen sich 1.200 Mitarbeiter um das Wohlergehen von 1.100 Bewohnern kümmern. Zwar fehlen in der Branche Fachkräfte, jammern wollen Hewicker und ihre Kollegen aber nicht: „Das kostet nur Zeit und Energie und löst das Problem nicht.“ Stattdessen müsse man handeln.

Die Frank Wagner Holding tut das: Auf der Karriereseite ihrer Homepage veröffentlicht sie offene Stellen, in Zeitungen und im Internet schaltet sie regelmäßig Anzeigen und auf Jobmessen präsentiert sie sich als attraktiver Arbeitgeber und anerkannter Ausbildungsbetrieb mit derzeit mehr als 60 Auszubildenden. Damit nicht genug: Über die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung der Agentur für Arbeit hat das Unternehmen Personal auch schon aus Nicht-EU-Ländern nach Hamburg geholt, etwa aus Nahost, vom Westbalkan, von den Philippinen, aus China und Vietnam. „Wir sind auf vielen Kanälen der Personalrekrutierung aktiv“, betont die Prokuristin.

Laut der Bundesanstalt für Arbeit fehlen in Deutschland momentan rund 700.000 Fachkräfte – und das nicht nur in der Pflegebranche: Klempner und Köche, IT-Experten und Ingenieure zählen ebenfalls dazu. In fünf Jahren könnte es auf dem hiesigen Arbeitsmarkt sogar 2,9 Millionen Fachleute zu wenig geben, so das Wirtschaftsforschungsinstitut Prognos. Linderung soll das Fachkräfteeinwanderungsgesetz schaffen, das am 1. März 2020 in Kraft tritt. Die Bundesregierung hofft, dass dadurch jährlich mindestens 25.000 zusätzliche Spezialisten aus Nicht-EU-Ländern nach Deutschland kommen werden. Skeptiker sind der Ansicht, dass das neue Gesetz die Rahmenbedingungen für qualifizierte Einwanderer nicht verbessert. Diese Bedenken teilt Stefanie Hewicker. Zwar werde die Einreise erleichtert, doch die schwierigste Hürde für Kandidaten aus Asien, Afrika oder Amerika bliebe die Anerkennung ihrer beruflichen Ausbildung. Der Nachweis, dass ein ausländischer Abschluss gleichwertig mit dem für einen hiesigen „Referenzberuf“ ist, etwa mit dem des Altenpflegers oder des Gesundheits- und Krankenpflegers, sei oft schwierig zu erbringen. Zu sehr weichen die Ausbildungen in anderen Ländern von denen in der deutschen Altenpflege geforderten ab. Eine Folge: Es sind Qualifizierungsmaßnahmen erforderlich, die häufig 18 Monate und länger dauern, bis eine Anerkennung als Fachkraft im Gesundheitswesen erfolgen kann. Darunter leiden Unternehmen, denen Personal fehlt. Stefanie Hewicker wünscht sich deshalb „schnellere, unbürokratische Prozesse, um Fachkräfte auch aus Nicht-EU-Ländern einstellen zu können“.

Hinzu kommt die Notwendigkeit, dass ein Kandidat, der in der Bundesrepublik arbeiten will, gut deutsch sprechen können muss. Vermittlungsunternehmen wie Berlitz und DEKRA bieten in den Heimatländern Schulungen an, durch die etwa der geforderte TELC-Abschluss (The European Language Certificates) erlangt werden kann. Sind die Arbeitnehmer dann in Deutschland, helfen viele Arbeitgeber, weiterführende Kurse zu absolvieren. Das hält Stefanie Hewicker für richtig. Miteinander sprechen zu können sei im Berufsleben wichtig, aber auch Voraussetzung für eine kulturelle Integration in Deutschland: „Der Dialog macht den Unterschied. Und bei der Betreuung von Menschen hilft ein aufmunterndes und verständnisvolles Wort meist mehr als jedes Medikament.“